E-Auto-Boom verliert Schwung: Raffinerien heben Benzin-Prognose für 2026 an

Das langsamere Wachstum der Elektromobilität verändert die Mitteldestillat-Rechnung. Auch die Raffinerie Schwechat profitiert vom robusten Treibstoffabsatz.

Die globale Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wächst 2025 deutlich langsamer als erwartet. Während Branchenanalysten zu Jahresbeginn noch von einem Plus von 24 Prozent ausgingen, melden BloombergNEF und Wood Mackenzie für die ersten zehn Monate lediglich ein Plus von 13 Prozent. In Europa stagnierte der Markt sogar, in Deutschland brach er nach Wegfall der Kaufprämien um 9 Prozent ein. Auch in Österreich verzeichnete der Anteil reiner Elektroautos bei den Neuzulassungen mit 20,1 Prozent erstmals einen Rückgang gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Raffineriebranche reagiert mit nach oben revidierten Prognosen für Benzin und Diesel. Die Internationale Energieagentur hob ihre Gasoline-Nachfrageprognose für 2026 um 320.000 Barrel pro Tag auf 27,1 Millionen Barrel an. Die OPEC sieht in ihrem World Oil Outlook einen langsameren Peak der Ölnachfrage und prognostiziert das Maximum nun für 2032 statt 2029.

Für die Raffinerie Schwechat ist das eine willkommene Nachricht. Die Anlage erreichte im dritten Quartal 2025 eine Auslastung von 94 Prozent, der Crack-Spread für Eurosuper lag bei 17,80 US-Dollar je Barrel – deutlich über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Auch die Dieselmargen blieben mit 22,40 US-Dollar je Barrel auf hohem Niveau. Die OMV revidierte daher ihre interne Margenprognose für 2026 leicht nach oben.

Hintergrund des langsameren E-Auto-Wachstums sind mehrere Faktoren: Hohe Anschaffungspreise, lückenhafte Ladeinfrastruktur in ländlichen Regionen, Sorgen um den Wiederverkaufswert und Verunsicherung durch chinesische Importzölle. In Österreich kommt die noch ungelöste Frage der Wohnungsladestationen hinzu – in Wien verfügen laut Wirtschaftskammer nur 8 Prozent der Mehrparteienhäuser über Lademöglichkeiten.

Gleichzeitig wächst der Bestand an Plug-in-Hybriden, die im Realbetrieb fast doppelt so viel Treibstoff verbrauchen wie offiziell angegeben. Die VCÖ-Studie 2025 zeigt, dass die durchschnittliche elektrische Reichweite österreichischer PHEV im Alltag bei nur 28 Kilometern liegt. Damit bleibt der Benzinverbrauch dieser Fahrzeuge nahezu auf Verbrenner-Niveau.

Auch der Schwerlast- und Flugverkehr stützt die Treibstoffnachfrage. Die ASFINAG verzeichnete an der A1 ein Mautaufkommen von Lkw, das 4,7 Prozent über dem Vorjahr liegt. Die AUA erweitert ihre Flotte um sieben Airbus A320neo, was den Kerosinbedarf bis 2027 um rund 6 Prozent erhöhen wird. Synthetisches SAF (Sustainable Aviation Fuel) deckt heute nur 1,2 Prozent dieses Bedarfs, soll aber laut ReFuelEU-Verordnung bis 2030 auf 6 Prozent steigen.

Für Endverbraucher in Österreich bedeutet die robuste Nachfrage anhaltend hohe Zapfsäulenpreise. Der ÖAMTC erwartet für 2026 einen Eurosuper-Durchschnittspreis von 1,63 Euro je Liter und Diesel bei 1,69 Euro. Die OMV plant gleichzeitig den Ausbau ihres Tankstellennetzes auf 470 Standorte österreichweit und investiert verstärkt in Schnellladesäulen mit bis zu 350 Kilowatt Leistung – eine doppelgleisige Strategie, die auf einen langen Übergang setzt.

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