Urals-Discount schrumpft: Asiatische Käufer übernehmen den russischen Ölmarkt

Indien und China kaufen Russlands Öl konsolidiert. Der Urals-Rabatt zu Brent fällt unter 12 US-Dollar – mit Folgen für Österreichs Diversifizierung.

Mehr als zwei Jahre nach Einführung des G7-Preisdeckels für russisches Rohöl bei 60 US-Dollar je Barrel hat sich der Markt deutlich verändert. Der Discount der russischen Referenzsorte Urals gegenüber Brent ist auf rund 11,40 US-Dollar je Barrel gesunken – noch Anfang 2024 lag er bei 18 bis 22 US-Dollar. Hauptgrund: Indien und China haben ihre Käufe konsolidiert und treten zunehmend als preisbestimmende Großabnehmer auf.

Indien importierte im Oktober rund 1,9 Millionen Barrel pro Tag aus Russland, China zusätzlich 2,1 Millionen Barrel. Gemeinsam decken die beiden Länder damit etwa 80 Prozent der russischen Seeexporte ab. Die staatliche indische Reliance Industries verhandelte zuletzt einen Zehnjahresvertrag mit Rosneft über 500.000 Barrel pro Tag, der laut Branchenkreisen in Rupien abgerechnet wird – ein weiteres Indiz für die fortschreitende Entdollarisierung russischer Energieexporte.

Die EU-Kommission verschärfte mit dem 15. Sanktionspaket die Maßnahmen gegen Russlands sogenannte Schattenflotte. Über 80 weitere Tanker wurden mit Sanktionen belegt, da sie ohne G7-konforme Versicherungen unterwegs sind. Auch zwei in der Slowakei registrierte Reederei-Töchter wurden auf die Liste gesetzt. Dennoch bleibt die Schattenflotte mit rund 580 Schiffen aktiv und transportiert geschätzt 70 Prozent der russischen Seeexporte oberhalb des Preisdeckels.

Für Österreich ist die Lage zwiespältig. Einerseits bezieht die OMV seit Anfang 2025 kein russisches Pipelinegas mehr und keine Rohöllieferungen aus Russland. Andererseits laufen die Aktivitäten von OMV Petrom in Rumänien weiter, und einzelne Rohöllieferungen über Drittländer könnten weiterhin russische Bestandteile enthalten. Das Klimaschutzministerium und die E-Control betonen jedoch, dass alle direkten Verträge sauber beendet wurden.

Politisch besonders relevant ist die Frage der eingefrorenen russischen Vermögenswerte. Die EU diskutiert die Verwendung der Zinserträge in Höhe von rund 4 Milliarden Euro jährlich für die Ukraine-Unterstützung. Österreichs Bundeskanzler signalisierte Zustimmung zu diesem Modell, sprach sich aber gegen eine vollständige Konfiszierung aus, da diese rechtliche Risiken berge und das Vertrauen in den Euro als Reservewährung schwächen könnte.

Russlands Ölkonzerne reagierten auf den schrumpfenden Discount mit Investitionen in neue Tanker und der Gründung eigener Versicherungsgesellschaften. Die Ingosstrakh und die neu gegründete Russian National Reinsurance bieten Deckungen, die in Asien akzeptiert werden. Damit sinkt der Hebel westlicher Sanktionen weiter.

Für die globalen Ölmärkte bedeutet diese Entwicklung mehr Robustheit. Die Befürchtung, ein Ausfall russischer Lieferungen würde die Preise auf über 130 US-Dollar treiben, hat sich nicht bewahrheitet. Russisches Öl fließt – nur eben überwiegend gen Osten. Für Österreichs Versorgungssicherheit bleibt das positiv, denn der wegfallende europäische Bedarf wird durch Lieferungen aus dem Nahen Osten, Westafrika, den USA und Brasilien gedeckt. Die OMV strebt für 2026 eine vollständig russlandfreie Lieferkette an, einschließlich der Vorprodukte für Petrochemie. Die Umstellung kostet das Unternehmen geschätzt 220 Millionen Euro pro Jahr, gilt aber als politisch wie ökonomisch alternativlos.

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