OPEC+ verlängert freiwillige Förderkürzungen von 2,2 Millionen Barrel bis Ende 2026
Die OPEC+ hält an ihrer restriktiven Förderpolitik fest. Für die OMV und die Raffinerie Schwechat bedeutet das neue Kalkulationsgrundlagen für 2026.
Die OPEC+ hat am vergangenen Wochenende in Wien beschlossen, die freiwilligen Förderkürzungen von rund 2,2 Millionen Barrel pro Tag bis zum 31. Dezember 2026 fortzuführen. Damit verlängert das Kartell unter Führung Saudi-Arabiens und Russlands eine Politik, die seit 2023 den Markt stützt. Der Brent-Preis reagierte unmittelbar mit einem Anstieg um 3,8 Prozent auf 84,60 US-Dollar je Fass, was rund 78,20 Euro entspricht.
Für Österreich, das den Großteil seines Rohöls über die Transalpine Pipeline (TAL) aus Triest bezieht, ergeben sich daraus unmittelbare Auswirkungen auf die Beschaffungskosten. Die OMV bestätigte am Montag, dass die Jahresplanung 2026 an einen durchschnittlichen Brent-Korridor zwischen 80 und 88 US-Dollar je Barrel angepasst werde. Konzernchef Alfred Stern sprach in einer Aussendung von einem "berechenbaren, wenn auch ambitionierten Preisumfeld".
Saudi-Arabien trägt mit einer Eigenkürzung von einer Million Barrel pro Tag weiterhin die Hauptlast, gefolgt vom Irak mit 220.000 Barrel und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 160.000 Barrel. Russland muss laut Abkommen 471.000 Barrel pro Tag aus dem Markt nehmen, wobei die Internationale Energieagentur (IEA) bezweifelt, dass Moskau diese Quote angesichts der angespannten Haushaltslage vollständig einhält. Kasachstan und der Irak fielen zuletzt durch Überproduktion auf.
Die Raffinerie Schwechat, mit einer Kapazität von 9,6 Millionen Tonnen pro Jahr das industrielle Rückgrat der österreichischen Treibstoffversorgung, kalkuliert die Margen für 2026 nun konservativer. Insider berichten, dass das Crack-Spread-Modell für Diesel um etwa 1,40 Euro je Barrel nach unten korrigiert wurde, während die Margen für Kerosin angesichts der erwarteten Erholung des Flugverkehrs in Wien-Schwechat stabil bleiben dürften. Die AUA rechnet für 2026 mit einem Treibstoffbedarf von rund 780.000 Tonnen.
An den Tankstellen dürfte sich der Beschluss spürbar auswirken. Der ÖAMTC prognostiziert für das kommende Frühjahr einen Eurosuper-Preis zwischen 1,58 und 1,68 Euro je Liter, sofern der Euro gegenüber dem US-Dollar nicht weiter abwertet. Diesel könnte aufgrund knapper globaler Mitteldestillat-Vorräte auf bis zu 1,72 Euro je Liter steigen. Die Wirtschaftskammer Österreich warnt bereits vor Belastungen für den heimischen Frächtergewerbe, das ohnehin unter der CO2-Bepreisung leidet.
Strategisch verfolgt die OPEC+ mit der Verlängerung ein klares Ziel: Sie will verhindern, dass das prognostizierte Angebot aus den USA, Brasilien und Guyana ab dem zweiten Halbjahr 2026 die Preise unter die 75-Dollar-Marke drückt. Analysten von JBC Energy in Wien gehen davon aus, dass das Kartell im Juni 2026 erneut tagen wird, um eine schrittweise Rückkehr der gekürzten Mengen zu prüfen. Für Österreichs Energiebilanz bleibt entscheidend, dass parallel die Diversifizierungsstrategie weg von russischen Importen vorangetrieben wird – ein Prozess, der laut E-Control bis Mitte 2027 weitgehend abgeschlossen sein soll.