Brasiliens Präsalz-Meilenstein: Petrobras überschreitet 2,5 Millionen Barrel pro Tag

Petrobras meldet Rekordförderung aus den Tiefseefeldern vor Rio. Für die OMV eröffnen sich neue Bezugsquellen jenseits Russlands und des Nahen Ostens.

Der brasilianische Staatskonzern Petrobras hat im Oktober erstmals die Marke von 2,5 Millionen Barrel pro Tag aus den Präsalz-Feldern im Atlantik überschritten. Die Felder Búzios, Tupi und Mero, die sich rund 300 Kilometer vor der Küste von Rio de Janeiro in Wassertiefen von bis zu 2.200 Metern befinden, machen mittlerweile rund 80 Prozent der gesamten brasilianischen Rohölproduktion aus. Insgesamt erreichte Brasilien damit eine Tagesförderung von 3,4 Millionen Barrel.

Die Produktionskosten in den Präsalz-Becken liegen laut Petrobras-Vorstand Magda Chambriard bei nur 5,50 US-Dollar je Barrel – ein Wert, der den Konzern zu einem der profitabelsten Ölunternehmen weltweit macht. Der Konzern plant für 2026 Investitionen von 18,5 Milliarden US-Dollar, etwa 17,2 Milliarden Euro, wovon rund 70 Prozent in die Erschließung weiterer Tiefseefelder fließen sollen. Bis 2030 will Petrobras die Produktion auf 3,2 Millionen Barrel pro Tag steigern.

Für die Raffinerie Schwechat ist brasilianisches Lula-Rohöl ein interessanter Rohstoff. Es handelt sich um eine mittelschwere, säurearme Sorte mit einem API-Grad von etwa 28 und einem Schwefelgehalt von 0,3 Prozent, die sich gut zur Produktion von Mitteldestillaten eignet. Die OMV bezog laut eigenen Angaben 2024 rund 1,1 Millionen Tonnen brasilianisches Rohöl, vor allem über Verladeterminals in Açu und Angra dos Reis. Für 2026 ist eine Verdopplung dieser Menge im Gespräch.

Die geopolitische Bedeutung des brasilianischen Angebots wächst. Während OPEC+-Lieferungen weiter zurückgefahren werden und russisches Öl in Europa praktisch nicht mehr verfügbar ist, fungiert Brasilien als verlässlicher Nicht-OPEC-Lieferant. Das Land trat 2024 dem OPEC+-Beobachterforum bei, weigert sich jedoch konsequent, sich an Kürzungsentscheidungen zu beteiligen. Präsident Lula da Silva betonte zuletzt in Brasília, die Förderpolitik bleibe "souveräne Entscheidung" des Konzerns.

Gleichzeitig sieht sich Petrobras zunehmender Kritik von Umweltorganisationen ausgesetzt. Die geplante Erschließung des Foz-do-Amazonas-Beckens nahe der Amazonasmündung wurde von der Umweltbehörde IBAMA vorerst gestoppt. Auch europäische Banken, darunter die Erste Group, prüfen ihre Kreditrichtlinien gegenüber Tiefseeprojekten in ökologisch sensiblen Zonen.

Für die österreichische Versorgungssicherheit bietet die brasilianische Förderung dennoch eine willkommene Diversifizierungschance. Die Logistik bleibt allerdings anspruchsvoll: Ein VLCC-Tanker benötigt von Brasilien bis Triest rund 24 Tage, was die Lagerhaltung in Schwechat anspruchsvoller macht. Die OMV unterhält daher strategische Vorräte von 90 Tagen, die im Tanklager Lobau und in unterirdischen Kavernen in Niederösterreich gelagert werden. Ergänzend prüft der Konzern eine langfristige Lieferpartnerschaft mit Petrobras über fünf Jahre und ein Volumen von rund 6 Millionen Tonnen, wie aus Konzernkreisen verlautet. Der Abschluss könnte noch im ersten Quartal 2026 erfolgen.

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