Plaquemines geht ans Netz: USA überholen Katar 2026 als größter LNG-Exporteur
Mit dem Hochlauf des Plaquemines-Terminals werden die USA 2026 zum weltgrößten LNG-Exporteur. Für Österreichs Gasversorgung über Italien ergibt sich eine neue Lage.
Mit dem vollständigen Hochlauf des Plaquemines-LNG-Terminals von Venture Global in Louisiana werden die Vereinigten Staaten 2026 voraussichtlich Katar als weltgrößten Exporteur von Flüssigerdgas überholen. Die Anlage erreicht eine Verflüssigungskapazität von 27,2 Millionen Tonnen pro Jahr, was die gesamte US-Exportkapazität auf rund 144 Millionen Tonnen anhebt. Katar wird im selben Zeitraum bei etwa 110 Millionen Tonnen verharren, bevor die North-Field-Expansion ab 2027 zusätzliche Mengen liefert.
Hintergrund ist die explosionsartige Nachfrage in Europa und Asien nach pipelineunabhängigem Gas. Seit dem Ende der russischen Pipeline-Lieferungen nach Mitteleuropa im Januar 2025 bezieht auch Österreich kein Gas mehr über die Druschba-Route. Der Wegfall von rund 5,7 Milliarden Kubikmeter jährlicher Importe aus Russland wurde überwiegend durch LNG-Anlandungen in Rotterdam, Wilhelmshaven, Triest und Krk kompensiert.
Die OMV hat ihre Beschaffung deutlich umgestellt. Aktuell stammt knapp ein Drittel des nach Österreich gelieferten Gases aus norwegischen Pipelines, ein weiteres Drittel aus LNG, vorwiegend US-Herkunft. Den Rest decken Speicheraushebungen und kleinere Lieferanten ab. Der Speicherstand zum 1. November lag bei 92 Prozent, was eine komfortable Ausgangslage für den Winter 2025/26 bedeutet.
Plaquemines liefert bevorzugt an europäische Abnehmer. Venture Global hat langfristige Verträge mit ExxonMobil, Shell und der polnischen Orlen abgeschlossen. Auch die OMV ist über einen 15-Jahres-Vertrag mit Cheniere Energy am US-LNG-Markt beteiligt, der jährlich bis zu einer Million Tonnen umfasst – das entspricht rund 1,4 Milliarden Kubikmetern Regasifikat. Der Henry-Hub-Preis als Basis lag zuletzt bei 3,40 US-Dollar je MMBtu, der niederländische TTF-Referenzpreis bei 38 Euro je Megawattstunde.
Allerdings bleibt LNG teurer als Pipelinegas. Die Verflüssigung, der Tankertransport und die Rückumwandlung schlagen mit rund 12 Euro pro Megawattstunde zu Buche. Für österreichische Industriekunden wie Wienerberger oder Lenzing bedeutet das anhaltend hohe Energiekosten. Die Bundesregierung verlängerte daher den Strompreiskostenausgleich bis Ende 2026 und prüft eine Ausweitung auf Gasgroßverbraucher.
Geopolitisch verschiebt sich das Kräftefeld. Die US-Regierung unter Präsident Trump kündigte an, das im Vorjahr verhängte Genehmigungsmoratorium für neue LNG-Terminals vollständig aufzuheben. Projekte wie Rio Grande LNG und CP2 in Texas könnten damit schneller realisiert werden. Bis 2030 könnte die US-Kapazität auf über 200 Millionen Tonnen steigen. Für Österreich entsteht so eine strukturelle Absicherung, die russische Lieferungen langfristig entbehrlich macht.
Dennoch warnen Energieexperten der TU Wien vor einer neuen Abhängigkeit. Eine Konzentration auf einen einzigen Lieferanten – diesmal die USA – berge eigene Risiken, insbesondere bei unsicheren Handelsbeziehungen. Die E-Control empfiehlt daher, mindestens 25 Prozent des Bedarfs aus erneuerbarem heimischem Biomethan und perspektivisch Wasserstoff zu decken. Bis dahin bleibt amerikanisches LNG, angeliefert über Triest und Rovigo, das Rückgrat der österreichischen Gasversorgung.