EV-Nachfrage waechst langsamer: Raffinerien heben Benzinprognose fuer 2026 an

Das verlangsamte Wachstum bei Elektrofahrzeugen veranlasst grosse Raffinerien dazu, ihre Benzinabsatzprognose fuer 2026 deutlich nach oben zu korrigieren – auch in Europa.

Die abkuehlende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen veraendert die Planungsannahmen der globalen Raffineriebranche grundlegend. Grosse Konzerne wie Shell, BP, TotalEnergies und ExxonMobil haben ihre Benzin- und Dieselabsatzprognosen fuer 2026 nach oben revidiert, da Endkunden weltweit laenger an Verbrennungsmotoren festhalten als noch vor zwei Jahren erwartet. Die Internationale Energieagentur hob ihre Prognose des globalen Benzinverbrauchs fuer 2026 um 400.000 Barrel pro Tag auf 27,1 Millionen Barrel an.

Hintergrund ist die weltweite Verlangsamung der Elektromobilitaet. In Deutschland brach der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen 2024 nach dem Wegfall der Kaufpraemie auf rund 13,5 Prozent ein, gegenueber 18,4 Prozent im Vorjahr. Auch in den USA bleibt der EV-Marktanteil bei rund 8 Prozent stehen, in China zeigt sich erstmals seit Jahren eine Stagnation der Plug-in-Quote bei etwa 48 Prozent. Hohe Anschaffungskosten, langsamer Ausbau der Ladeinfrastruktur und Sorgen um die Restwerte schrecken Verbraucher ab.

Die Auswirkungen auf die Raffineriewirtschaft sind handfest. Die Bruttomarge fuer Benzin (Crack Spread) in Nordwesteuropa stieg im Verlauf des Jahres auf durchschnittlich 18,40 US-Dollar je Barrel – gut 30 Prozent ueber dem Fuenfjahresdurchschnitt. ExxonMobil-CEO Darren Woods sagte bei der Quartalskonferenz: 'Wir sehen eine resiliente Nachfrage nach raffinierten Produkten weit ueber das Jahr 2030 hinaus. Unsere Kapazitaetsausbauten am Golf von Mexiko und in Singapur sind langfristig abgesichert.' Shell verschob zudem die geplante Stilllegung eines Raffinerieblocks in Pernis (Niederlande).

Auch in Deutschland zeigt sich die Trendwende. Der Mineraloelwirtschaftsverband (en2x) hat seine Prognose fuer den deutschen Ottokraftstoffabsatz 2026 von 16,8 auf 17,4 Millionen Tonnen angehoben. Bei Diesel rechnet der Verband mit einem Plus von 1,2 Prozent gegenueber dem Vorjahr. Die Raffinerien in Karlsruhe (Miro), Gelsenkirchen (BP) und Wesseling (Shell) profitieren von verbesserten Margen, was Investitionen in Modernisierungsmassnahmen ermoeglicht. Gleichzeitig verlangsamt sich der zuvor angekuendigte Umbau zu Bioraffinerien und HVO-Anlagen.

Politisch geraet die EU unter Druck. Das fuer 2035 beschlossene Verbot des Verkaufs neuer Verbrenner-Pkw wird zunehmend von Mitgliedstaaten wie Italien, Deutschland und Tschechien hinterfragt. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte im Wahlkampf eine Ueberpruefung der Regelung angekuendigt. Die Automobilindustrie, vertreten durch den VDA, fordert ein flexibleres Regime mit Anrechnung von E-Fuels und HVO-Diesel. Auch die EU-Kommission deutete bei der juengsten Revisionsklausel einen pragmatischeren Kurs an.

Fuer die Investoren bedeutet die veraenderte Lage eine Neubewertung der Oel-Majors. Aktien von Shell, BP und TotalEnergies legten seit Jahresbeginn um 14 bis 22 Prozent zu. Gleichzeitig geraten reine EV-Hersteller und Batteriezellfertiger unter Druck. Analysten von Goldman Sachs gehen davon aus, dass die globale Spitzennachfrage nach Oel fuer den Strassenverkehr nun erst um 2032 erreicht wird – fuenf Jahre spaeter als noch 2022 erwartet. Die Raffineriebranche gewinnt damit unerwartet Zeit fuer ihre Transformation.

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