NEOM-Mega-Projekt fuer gruenen Wasserstoff startet kommerzielle Produktion
Das saudi-arabische Mega-Projekt NEOM hat die kommerzielle Produktion von gruenem Wasserstoff aufgenommen und liefert bis zu 600 Tonnen pro Tag fuer den Export nach Europa und Asien.
Das im Nordwesten Saudi-Arabiens gelegene Mega-Projekt NEOM Green Hydrogen Company (NGHC) hat seine kommerzielle Produktion aufgenommen und liefert ab sofort gruenen Wasserstoff im industriellen Massstab. Mit einer Anfangskapazitaet von 600 Tonnen pro Tag, was rund 219.000 Tonnen pro Jahr entspricht, gilt die Anlage als groesste ihrer Art weltweit. Die Inbetriebnahme markiert einen Wendepunkt in der globalen Wasserstoffwirtschaft.
Das 8,4 Milliarden US-Dollar teure Projekt wird von einem Joint Venture aus dem saudi-arabischen ACWA Power, dem US-Industriegasekonzern Air Products und der saudischen NEOM-Gesellschaft betrieben. Die Energie fuer die Elektrolyseure stammt vollstaendig aus 4 Gigawatt Solar- und Windkapazitaet, die direkt am Standort installiert wurden. Die deutschen Unternehmen Thyssenkrupp Nucera und Siemens Energy lieferten wesentliche Komponenten der alkalischen Elektrolyseure mit einer Gesamtleistung von 2,2 Gigawatt.
Eine Besonderheit des NEOM-Projekts ist die Umwandlung des gruenen Wasserstoffs in Ammoniak, der einfacher zu transportieren ist. Die Anlage produziert taeglich rund 3.500 Tonnen gruenes Ammoniak, das ueber den eigens gebauten Tiefseehafen in Duba am Roten Meer verschifft wird. Air Products hat sich exklusiv die Abnahme der gesamten Produktion bis 2053 gesichert und vermarktet das Produkt weltweit – mit Schwerpunkt auf Europa, Suedkorea und Japan.
Fuer die deutsche Industrie ist die NEOM-Produktion von strategischer Bedeutung. Im Rahmen der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung muessen bis 2030 rund 95 bis 130 Terawattstunden Wasserstoff jaehrlich importiert werden – einen Grossteil davon aus sonnenreichen Regionen. Saudi-Arabien hat bereits Absichtserklaerungen mit dem H2Global-Importprogramm unterzeichnet, das gruenen Wasserstoff fuer Stahlhersteller wie Thyssenkrupp und Salzgitter sowie fuer Chemiekonzerne wie BASF und Evonik beschaffen soll. Der erste Importvertrag ueber 200.000 Tonnen pro Jahr ab 2027 wird derzeit verhandelt.
Der Preis bleibt allerdings eine Huerde. Aktuell liegen die Gestehungskosten fuer gruenen Wasserstoff aus NEOM bei rund 4,50 bis 5,20 US-Dollar je Kilogramm – etwa das Doppelte des grauen Wasserstoffs aus Erdgas. Die saudische Regierung subventioniert das Projekt indirekt ueber lange Stromabnahmevertraege und Steuerverguenstigungen. Mittelfristig erwarten die Projektpartner einen Rueckgang der Produktionskosten auf unter 3 US-Dollar je Kilogramm durch Skaleneffekte und sinkende Elektrolyseur-Preise.
NEOM steht jedoch nicht ohne Kritik da. Menschenrechtsorganisationen wie ALQST und Human Rights Watch dokumentieren weiterhin die Zwangsumsiedlung der Howeitat-Stammesbevoelkerung sowie die Hinrichtung mehrerer Aktivisten, die sich dem Projekt widersetzt hatten. Auch die wirtschaftliche Tragfaehigkeit des gesamten NEOM-Konzepts – einschliesslich der 170 Kilometer langen Linearstadt 'The Line' – wird von westlichen Beratern zunehmend in Frage gestellt. Dennoch positioniert sich Saudi-Arabien mit dem Wasserstoffprojekt als ernstzunehmender Akteur jenseits des Oel- und Gasgeschaefts und unterstreicht die Ambitionen der Vision 2030 des Kronprinzen Mohammed bin Salman.