Permian-Becken: Rekordfoerderung in den USA trotz sinkender Bohranlagenzahl
Das texanische Permian-Becken erreicht trotz eines Rueckgangs der aktiven Bohranlagen um 15 Prozent eine Rekordfoerderung von 6,8 Millionen Barrel pro Tag dank gesteigerter Produktivitaet.
Das Permian-Becken im Westen von Texas und im Suedosten New Mexicos hat einen neuen Foerderrekord erzielt: Mit 6,8 Millionen Barrel pro Tag (bpd) liefert die Region mittlerweile rund 48 Prozent der gesamten US-Rohoelproduktion. Bemerkenswert ist, dass dieser Anstieg trotz eines Rueckgangs der aktiven Bohranlagen von 350 auf 297 innerhalb der vergangenen zwoelf Monate erreicht wurde – ein Rueckgang um etwa 15 Prozent gemaess Daten von Baker Hughes.
Der Schluessel fuer das Paradoxon liegt in einer dramatischen Produktivitaetssteigerung. Laut der US Energy Information Administration (EIA) ist die durchschnittliche Anfangsfoerderung pro neuem Bohrloch im Permian seit 2022 um 31 Prozent gestiegen. Faktoren sind laengere Horizontalsektionen von durchschnittlich 3.200 Metern, dichteres Hydraulic Fracturing mit bis zu 2.500 Pfund Sand je laufendem Fuss sowie der Einsatz von kuenstlicher Intelligenz zur optimalen Platzierung der Bohrloecher.
Grosse Produzenten wie ExxonMobil, Chevron, ConocoPhillips und Diamondback Energy treiben die Konsolidierung voran. Die Uebernahme von Pioneer Natural Resources durch ExxonMobil fuer 64,5 Milliarden US-Dollar sowie der Kauf von Hess durch Chevron haben die Industrie umgekrempelt. ExxonMobil-CEO Darren Woods kuendigte an, die Foerderung im Permian bis 2027 auf 2,3 Millionen Barrel pro Tag zu steigern, gegenueber aktuell 1,5 Millionen. Die Break-even-Kosten der grossen Operatoren liegen mittlerweile bei nur 38 bis 42 US-Dollar je Barrel WTI.
Diese Effizienzgewinne haben jedoch ihre Schattenseiten. Branchenexperten warnen vor einem 'Gas-Glut': Die assoziierte Gasfoerderung im Permian uebersteigt zunehmend die Pipeline-Kapazitaeten, was zu negativen Henry-Hub-Preisen am Waha-Hub fuehrte. Der Engpass duerfte sich erst mit der Inbetriebnahme der Matterhorn Express Pipeline und der geplanten Blackcomb Pipeline entspannen. Zudem verschlechtert sich die Qualitaet der verbleibenden Bohrziele in den Tier-1-Zonen, was Analysten von Wood Mackenzie zu der Prognose veranlasste, dass das Produktionswachstum ab 2027 deutlich abflachen wird.
Fuer den globalen Markt bedeutet die anhaltende US-Foerderstaerke einen erheblichen Gegenwind fuer die Bemuehungen der OPEC+, die Preise zu stuetzen. Die gesamten US-Rohoelproduktion erreichte zuletzt 13,5 Millionen Barrel pro Tag – mehr als Saudi-Arabien und Russland zusammen. Auch die US-Rohoelexporte legten auf durchschnittlich 4,2 Millionen Barrel pro Tag zu, wobei europaeische Raffinerien zu den wichtigsten Abnehmern zaehlen.
Aus deutscher Sicht ist das Permian-Becken laengst zu einem entscheidenden Versorgungsfaktor geworden. Raffinerien in Wilhelmshaven, Schwedt und am Rhein beziehen zunehmend WTI Midland und Eagle-Ford-Crude als Ersatz fuer wegfallende russische Lieferungen. Die Mineraloelwirtschaftsverband (MWV) schaetzt, dass US-Rohoel rund 18 Prozent der deutschen Importe ausmacht – Tendenz steigend. Die strategische Bedeutung der texanischen Produktion fuer die europaeische Versorgungssicherheit duerfte mit dem Ausbau der LNG- und Rohoel-Exportterminals an der US-Golfkueste weiter zunehmen.