Fit for 55 und NEKP: Wie Österreich die EU-Energiewende-Ziele 2030 erreichen will
Die EU verschärft mit Fit for 55 und nationalen Plänen die Klimavorgaben. Österreich legt den überarbeiteten NEKP vor – mit Folgen für OMV und Schwechat.
Mit der finalen Verabschiedung des Fit-for-55-Pakets und der Vorlage der überarbeiteten nationalen Energie- und Klimapläne (NEKP, in vielen EU-Ländern PNIEC genannt) tritt die europäische Energiewende in eine neue Phase. Die EU-Mitgliedstaaten müssen bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 senken, den Anteil erneuerbarer Energien auf 42,5 Prozent steigern und die Energieeffizienz um 11,7 Prozent verbessern.
Österreich legte Mitte 2025 den finalen NEKP vor, der bis 2040 Klimaneutralität anstrebt – fünf Jahre vor dem EU-Ziel. Für 2030 wird ein Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch von 57 Prozent angestrebt, derzeit liegt er bei 38 Prozent. Der Stromsektor soll bereits 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen versorgt werden, was den Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Wasserkraft erheblich beschleunigt.
Für die OMV und ihre Raffinerie Schwechat hat das weitreichende Konsequenzen. Der Konzern muss seine Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2030 um 30 Prozent gegenüber 2019 reduzieren, die Scope-3-Emissionen (also die durch verkaufte Produkte) um 20 Prozent. Dazu investiert die OMV bis 2030 rund 13 Milliarden Euro in Wachstumsfelder wie nachhaltige Treibstoffe, Wasserstoff und Recyclingkunststoffe. Schwechat soll zur Drehscheibe für Co-Processing biogener Einsatzstoffe und HVO-Diesel werden.
Konkrete Vorgaben treffen auch den Verkehrssektor. Die novellierte Renewable Energy Directive (RED III) verlangt von Mineralölfirmen, dass 14,5 Prozent ihres in den Verkehrssektor gelieferten Energiegehalts bis 2030 aus erneuerbaren Quellen stammen. In Österreich wird dies durch die Kraftstoffverordnung umgesetzt, die zusätzlich eine Mindestquote von 5,5 Prozent fortschrittlicher Biokraftstoffe vorschreibt. Die OMV erhöhte ihre Bioethanolproduktion in Schwechat-Lobau auf 200.000 Tonnen pro Jahr.
Der Emissionshandel ETS-2, der ab 2027 auch Treibstoffe für Gebäudeheizung und Straßenverkehr einbezieht, wird die Endkundenpreise weiter steigen lassen. Das WIFO rechnet für Österreich mit einem zusätzlichen Preiseffekt von 8 bis 12 Cent je Liter Diesel bis 2030. Um soziale Härten abzufedern, fließen Mittel aus dem Klima-Sozialfonds in einkommensschwache Haushalte; Österreich erhält geschätzt 4,4 Milliarden Euro über sieben Jahre.
Die Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) tritt 2026 vollständig in Kraft. Importeure von Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Wasserstoff und Strom müssen Zertifikate erwerben, die den CO2-Gehalt ihrer Produkte abbilden. Für die Voestalpine und die OMV-Tochter Borealis bedeutet das einen Wettbewerbsvorteil, soweit ihre Produkte bereits geringe Emissionen aufweisen.
Kritisch sehen Industrievertreter das Tempo des Umbaus. Die Industriellenvereinigung warnt vor einem "Carbon Leakage" zugunsten asiatischer Konkurrenten und fordert verlässliche Strompreise unter 8 Cent je Kilowattstunde für energieintensive Branchen. Die Bundesregierung antwortete mit dem Strompreiskostenausgleich und einem zusätzlichen Förderpaket von 1,2 Milliarden Euro für die Transformation der Industrie. Ob diese Maßnahmen genügen, um Österreichs Industrie-Cluster wettbewerbsfähig zu halten, wird sich an konkreten Investitionsentscheidungen bis Ende 2026 zeigen.